In einem
mehrseitigen Kommentar zur CD
„1920. Lieder der
Märzrevolution" widerspricht
der Volksliedforscher Werner Hinze den
Musi-kanten Frank Baier und Michael
Zachcial auf das Schärfste.
Deren jüngst
herausgegebene CD mit Booklet sei auf
dem Stand der 68er stehen geblieben und
arbeite mit einer parteipolitisch
propagandistischen Polemik. Die Autoren
würden z. B. die Aussagen
parteipolitisch gebundener Zeitzeugen
entgegen den Erkenntnissen der
historischen Forschung in
unangebrachter Weise in den Fordergrund
stellen.
Das ganze Produkt
sei, trotz „zwei ganz
schöner Lieder", eine
er-schreckende
Schwarz-Weiß-Malerei: Böse
Kapitalisten, verräterische
Sozialdemokraten und gute Kommunisten.
Dabei hatte die KPD seinerzeit den
Aufstand der so genannten „Roten
Ruhrarmee" verschlafen. Die
Aktivisten damals waren
Anarchosyndikalisten, Mitglieder der
KAPD, der USPD und auch der
Mehrheitssozialdemokraten. Darüber
wie über so manches andere
enthält das Booklet keinerlei
Informationen.
Darüber
hinaus wird die Existenz einer
Frontkämpferkultur über-haupt
nicht zur Kenntnis genommen. In einer
Fortschreibung der
DDR-Geschichtsforschung werden
Kommunisten als „Arbeiter"
tituliert, ohne selbst die eigenen
Lieder - meist alte Soldatenlieder - zu
verarbeiten, in denen von
„Rotgardisten" gesungen
wird. Auch die abgebildeten Fotos
zeigen deutlich soldatisch uniformierte
Personen unter Waffen.
Hinze weist darauf
hin, dass „der Revolutionsversuch
1918 in erster Linie eine
Soldatenrevolte und kein
Arbeiteraufstand" gewesen sei. Er
skizziert kurz die Tradition
kommunistischer Soldatenverbände,
die mit Gruppierungen wie z. B. die
„Schwarzen Katzen",
über einen „Roten
Soldatenbund", „einen
Revolutionären Matrosenbund"
diversen „Arbeiterwehren"
und so genannten „Proletarischen
Hundertschaften" 1924 in dem
„Roten
Frontkämpferbund" (RFB)
ihren organisatorischen Höhepunkt
fanden.
Der RFB sei
ebenso preußisch, militaristisch
(als einziger derartiger Verband hatte
er das preußische
Exerzierreglement zu 99%
übernommen) wie terroristisch
gewesen. Wie die nationalsozialistische
SA war er parteipolitisch gebunden und
wie diese bewaffnet und aggressiv.
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